Abschiebeflug nach Afghanistan am 14.08.2018

Update:

süddeutsche.de: Abschiebeflug aus München – 46 Männer an Bord

Pressemitteilung des Bayerischen Flüchtlingsrats vom 14.08.2018 zum Abschiebeflug:

Bayerischer Flüchtlingsrat fordert Abschiebestopp statt Symbolpolitik

Nachtdemonstration in München heute Abend um 20:30 Uhr vom Odeonsplatz aus

Heute soll der mittlerweile 15. Sammelabschiebeflieger nach Afghanistan vom Münchner Flughafen gehen. Wieder betroffen sind junge Männer, die sich hier bereits eine Perspektive aufgebaut haben. Die Bundesregierung missachtet hier nicht nur, dass die Betroffenen in Deutschland bereits gut integriert sind, sie handelt hier auch entgegen der neuesten Erkenntnisse aus dem Lagebericht des Auswärtigen Amtes. Laut dem Bericht ist die Sicherheitslage nach wie vor „volatil“. Die Taliban kontrollieren die Überlandstraßen und somit gibt es keine Möglichkeit für Abgeschobene, von Kabul aus ihre Heimatstädte oder –provinzen zu erreichen. Darüber hinaus werden immer mehr Gebiete durch die Taliban beherrscht oder umkämpft, sodass die Behauptung von vermeintlich „sicheren Gebieten“ unhaltbar ist. Erst vergangenen Freitag wurde die Hauptstadt der Provinz Ghasni von eintausend Taliban-Kämpfern angegriffen. Entscheidungen des Bamf und der Gerichte begründen die Ablehnungen weiterhin mit der inländischen Fluchtalternative.

Der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig wird hier noch konkreter: „Die Situation in Afghanistan ist auch unabhängig von der Sicherheitslage desaströs. Da aus den Nachbarländern Iran und Pakistan auch in diesem Jahr wieder hunderttausende Menschen nach Afghanistan abgeschoben wurden oder unter dem Druck ökonomischer Verhältnisse zurückkehrten, verschärft sich die sozio-ökonomische Lage weiter. Und die reichen Europäischen Staaten, vor allem Deutschland und nordeuropäische Staaten, haben nichts Besseres zu tun, als diese Situation noch zu verschärfen, indem sie jeden Monat ein paar Dutzend abgelehnte Asylbewerber zusammenkratzen und dahin bringen. Auch deshalb sind die Abschiebungen eine moralische Schande für unser Land und ein Beitrag zur humanitären Katastrophe in Afghanistan.“

„Dass die Bundesregierung die Abschiebungen nach Afghanistan jetzt weiter forcieren will und damit jegliche Erkenntnisberichte und Einzelschicksale missachtet, ist der Gipfel ihrer Abschiebehysterie“, sagt Agnes Andrae vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Die Abschiebungen nach Afghanistan werden zur reinen Symbolpolitik, die zahlreiche Helfer*innen an ihre Grenzen bringt, potentiell Betroffene in Panik versetzt und letztendlich Menschenleben riskiert.  Darüber hinaus ist der Großteil der – meist jungen – Menschen schon Jahre lang hier in Deutschland, hat die Sprache erlernt, Kontakte geknüpft, geht zur Schule, ist in Ausbildung oder Arbeit und ist Teil der Gesellschaft geworden. Aber es geht nicht nur um Einzelfallentscheidungen. Ein Abschiebestopp ist längst fällig.“

 

Blogbeitrag vom 10.08.2018:

Am kommenden Dienstag, den 14. August 2018 soll der mittlerweile 15. Sammelabschiebeflieger nach Afghanistan starten, diesmal wieder vom Flughafen München. Gefährdet sind alle Afghanen, die sich geduldet in Deutschland aufhalten – auch wenn sie schon jahrelang hier arbeiten, Steuern zahlen und keine Straftaten begangen haben. Weitere Informationen zu der Abschiebung findet ihr auf der Website des Bayerischen Flüchtlingsrats oder unter https://afghanistan.not-safe.de/

In München wird es am Dienstag gegen die Abschiebung nach Afghanistan eine Demonstration um 20:30 Uhr geben, Auftakt am Odeonsplatz.
Zur Facebookveranstaltung >>>

Afghanistandemo 14_08

Bei den letzten Abschiebungen haben sich zahlreiche Organisationen, Gruppen, Vereine, Institutionen und Einzelpersonen an der Banneraktion beteiligt und ein Zeichen gegen die Abschiebungen gesetzt. Hier könnt ihr Bilder davon sehen! Wenn ihr in dieser Galerie dabei sein wollt, dann schickt ein Foto von eurem Protest an den Bayerischen Flüchtlingsrat.

Afghanistan is not safe Poster
Söder und Herrmann haben zugesagt, sich für gut integrierte Menschen aus Afghanistan einzusetzen und Einzelfälle zu betrachten. Gefragt sind nun Berichte von Ehrenamtlichen, Lehrern und insbesondere Arbeitgebern, die sich zu Wort melden. Vielleicht kann auch ein Bündnis von Arbeitgebern entstehen, die nicht länger hinnehmen wollen, dass ihre langjährigen, fleißigen Mitarbeiter abgeschoben werden. Schickt diese Berichte per email direkt an Herrn Söder und Herrn Herrmann.

frontal21: Flüchtlinge aus Afghanistan – integriert und abgeschoben

panorama: Herrmann: „Jeder Fall, der an mich herangetragen wird, wird auch geprüft.“

 

 

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