Unwort des Jahres 2018

Anti-Abschiebe-Industrie

Das Unwort des Jahres passt gut dazu, wie sich auf erschreckende Weise die Sprache in der Politik zum Thema Asyl im letzten Jahr verändert hat. Weitere Unwörter, die ebenfalls in der engeren Auswahl standen, sind der „Menschenrechtsfundamentalismus“ in Bezug auf Seenotrettung und der Euphemismus der „Ankerzentren“.
Traurig, aber wahr. Vielleicht schreckt es nun doch manche auf, die solche Begriffe für normal und angemessen halten, die dabei aber selbst unsere humanitären Werte vergessen. Unverzichtbare Werte unserer Gesellschaft und Kultur, für die wir einstehen – und die wir auch verteidigen und einfordern!
Aber mit einer angemessenen, humanen und würdevollen Sprache.

Lest hier die Begründung der Jury für ihre Entscheidung:

„Der Ausdruck Anti-Abschiebe-Industrie wurde im Mai 2018 durch Alexander Dobrindt, den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, als offensichtlicher Kampfbegriff in die politische Diskussion eingeführt: Eine „aggressive Anti-Abschiebe-Industrie“, so Dobrindt, sabotiere die Bemühungen des Rechtsstaates und gefährde die öffentliche Sicherheit. Der Ausdruck unterstellt denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen und Abschiebungen auf dem Rechtsweg prüfen, die Absicht, auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit in großem Maßstab Geld verdienen zu wollen. Der Ausdruck Industrie suggeriert zudem, es würden dadurch überhaupt erst Asylberechtigte „produziert“. Wir stimmen einem/einer der Einsendenden zu, dass es sich hierbei um ein Unwort handelt, weil „mit diesem Begriff das geltende Gesetz verhöhnt wird, welches Grundlage unserer Wertegemeinschaft ist“. Als das Unwort 2018 gilt es uns, weil die Tatsache, dass ein solcher Ausdruck von einem wichtigen Politiker einer Regierungspartei prominent im Diskurs platziert wird, zeigt, wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie in bedenklicher Weise verändern. Der Ausdruck Anti-Abschiebe-Industrie wurde 10x eingesandt.“

Zur vollständigen Presseerklärung der Jury, in der auch die anderen Begriffe ausgeführt werden, kommt ihr hier.

 

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